Sportlicher Erfolg im Reitsport

Was bedeutet eigentlich sportlicher Erfolg im Reitsport? 

Erfolg im Sport kennt mindestens genauso viele verschiedene Definitionen wie es Pferderassen gibt, wenn nicht mehr. 

Bei „Turnierneulingen“ fällt uns oft auf, dass Erfolg als möglichst hohe Platzierung in einer Prüfung definiert wird. Auch bei uns war diese recht einfache Definition lange verankert. Doch mit der Zeit lernten wir viel tiefer zu gehen. Von erfahrenen Profireitern und auch von anderen sehr erfolgreichen Sportlern haben wir eine sehr wichtige Erkenntnis an die Hand bekommen. 

„Es ist wichtig für jedes Training, jeden Wettkampf und jede Prüfung individuelle Ziele zu setzen und an der Umsetzung genau dieser Ziele zu arbeiten. Dabei sollten die Ziele an die jeweiligen Umstände und den Sportler angepasst werden.“ 

Zu Beginn haben wir natürlich so unsere Schwierigkeiten mit dieser Ansicht gehabt, denn hohe Platzierungen, so dachten wir, bringen Aufmerksamkeit bei den entsprechend wichtigen Leuten und nur mit dieser wohlwollenden Aufmerksamkeit ist es möglich bis ganz nach oben zu kommen. Tja wie soll ich sagen wir haben uns geirrt! Heute denken wir anders und genau dieses Umdenken macht den Unterschied. 

War Erfolg vor einigen Jahren noch die möglichst gute Platzierung, ist dieses Ziel mittlerweile lediglich ein Teilziel unserer Definition von Erfolg. Klar die Turniererfolge sind das wichtigste Ziel, aber trotzdem nur ein Teil der Erfolgsdefinition. Denn woher kommen langfristige Turniererfolge? Von Erfahrungen und von Disziplin. Von Härte und Gefühl. Von Auswertung und Umsetzung. Von Kritik und Lob. So viele Faktoren spielen in den langfristigen Erfolg mit ein und wer lediglich die möglichst hohe Platzierung im Blick hat, verliert den Fokus auf die wirklich wichtigen Erfolgsfaktoren. 

So unterteilen wir den Erfolg in ein langfristiges Ziel, Turniererfolge. Mittelfristige Ziele, wie zum Beispiel eine konstante und ruhige Anlehnung oder eine feinere Reaktion auf die Hilfengebung. Sowie in kurzfristige Ziele. Diese kurzfristigen Ziele werden immer für ein Training oder eine Prüfung definiert. So kann beispielsweise ein kurzfristiges Ziel sein, dass eine neu erlernte Methode versucht wird, um an der Anlehnung zu arbeiten. Das nächste kurzfristige Ziel für das zweite Training wäre zum Beispiel mit der letztes Mal getesteten Methode erste Fortschritte zur erarbeiten und beim Training darauf diese ersten Fortschritte zu verfestigen oder auszubauen. Jedenfalls konzentriert man sich innerhalb des Trainings gezielt auf diese Aufgabe und treibt mit Hilfe der kurzfristigen Ziele die mittelfristigen Ziele voran. Hat man mehrere mittelfristige Ziele erreicht, greift irgendwann alles ineinander, was dann zum ersten langfristigen Ziel auf einem Turnier führt, welches so erarbeitet letztlich nicht der einzige Erfolg bleiben wird. 

So und so ähnlich sieht unser Erfolgsaufbau aus. Denn wir möchten auf sehr großen Turnieren mit internationaler Konkurrenz Fuß fassen. 

Ich möchte unsere Denkweise kurz an dem Beispiel Püppi verdeutlichen. Püppi kam Ende 2017 zu uns. Sie hatte bis zu diesem Zeitpunkt hier und da mal ein Turnier. Und auch schon kleinere Platzierungen erzielt. Alles in allem war sie aber noch sehr unerfahren. 

Deshalb haben wir zuerst mit dem Eigentümer über dessen Ziele für das Pferd gesprochen. Für Püppi also Erfolge auf Turnieren, um ihre Qualität zu beweisen, was wiederrum für die Zucht mit ihr wichtig ist (langfristiges Ziel). Dieses Ziel ist kein kleines Ziel, weshalb daraufhin der zeitliche Rahmen besprochen wurde, wir waren uns einig, dass es einiger Zeit bedarf, um das Pferd fair und gefühlvoll an die Aufgabe heranzuführen. Nun ging es also im Winter 2017/2018 an die Vorbereitungen für dieses große Ziel. Das heißt wir haben ihre Stärken und Schwächen analysiert, damit wir mittelfristige Ziele setzen konnten. Dabei war es besonders wichtig ehrlich zu sein. Es hilft keinem sein Pferd bis in den Himmel zu loben, wo es noch nichts kann, aber es ist genauso schädlich sein Pferd schlecht zu reden, wo es eigentlich sehr viel kann. Bei dieser Analyse halfen Videoaufnahmen und Aussagen Dritter. Nachdem ihr Ausbildungsstand so analysiert war, konnten wir einen Plan für ihre Ausbildung erstellen (mittelfristige Ziele). Diesen Plan haben wir dann von Trainingseinheit zu Trainingseinheit verfolgt und haben jedes Mal an den gesetzten Zielen konzentriert gearbeitet (kurzfristige Ziele). War ein mittelfristiges Ziel erreicht, konzentrierten wir uns auf das nächste und wiederholten das bereits erreichte Ziel nur noch, um den Fortschritt nicht zu verlieren. Ein erstes mittelfristiges Ziel war zum Beispiel die Versammlung, was bei so einem großen Pferd natürlich schwieriger ist, als bei einem kompakteren Tier. Ein nächstes Ziel war ihre Balance, weiter ging es mit der Arbeit an der feinen Hilfengebung. Ein weiteres großes Thema, gerade als sie noch neu bei uns war, war ihre Vorsicht. Sie hatte zu viele Stangen in den Springprüfungen, was letztlich aus der verbesserungswürdigen Rittigkeit resultierte. Nachdem diese Punkte erarbeitet wurden stellten sich schnell Erfolge bis zur schweren Klasse ein. Sogar einen Erfolg in München auf einem internationalen Turnier konnten wir mit ihr in der ersten Saison (2018) erreichen, weil wir konzentriert die jeweiligen mittelfristigen Ziele mit Hilfe der kurzfristigen Ziele erarbeiteten. Weiter ging es 2019 nach der wohlverdienten Winterpause. Allerdings verlief der Start der Saison nicht wie erhofft, denn nach ersten guten Turnieren, schlichen sich Unsicherheiten ein, die in Hamburg darin mündeten, dass Püppi keinen Wassergraben mehr gesprungen ist, obwohl sie 2018 Meisterin wurde und dafür ebenfalls große Wassergräben überwinden musste. 

Nun gab es also ein neues mittelfristiges Ziel: Vertrauen und Mut mussten zurückgewonnen werden. 

Dazu ließen wir ihr erstmal eine Pause, um Abstand zu den schlechten Erfahrungen zu gewinnen. Danach bauten wir viele Gymnastikelemente ein. Diese sollten ihre Technik verbessern, was ihr letztlich mehr Sicherheit geben sollte, weil sie mit den verschiedenen Anforderungen besser klar kommen sollte. Zusätzlich bauten wir auch Wassergräben Stück für Stück in das Training ein, damit es für sie wieder normal wurde über Gräben zu springen. Und so sprang sie letztlich auch auf internationalem Parkett wieder über Wassergräben und sehr schwere Pacoure. Dabei vielen leider wieder mehr Stangen, als vor ihrer Unsicherheit, was vor allem damit zusammenhängt, dass sie sich immer noch Stück für Stück an die sehr schweren Prüfungen gewöhnen muss. Also weiteres Vertrauen und weitere Routine gewinnen muss. Daran arbeiten wir derzeit. Das heißt unser aktuelles Ziel für jede Prüfung auf den kommenden Turnieren heißt: Vertrauen und Routine schaffen und möglichst saubere Runden die angenehm für das Pferd sind zu zaubern. 

Sobald dieses mittelfristige Ziel erfüllt ist, werden auch wieder zuverlässig fehlerfreie Runden kommen und damit dann auch gute Platzierungen. Vorher aber freuen wir uns über jede Runde die stilistisch und rhythmisch sehr gut war, auch wenn eine oder zwei Stangen gefallen sind, denn solche Runden bringen uns näher an unser mittelfristiges Ziel. 

 

An diesem Beispiel konntet ihr erkennen, dass es eben nicht nur um Platzierungen geht. Vielmehr solltet ihr euch für jedes Turnier ein reiterliches Ziel vornehmen, dass eurem Leistungsstand entspricht und dazu beiträgt langfristig zuverlässig gute Runden auf Turnieren zu drehen. Befreit euch dafür zu Beginn weitestgehend vom Ziel der guten Platzierung. Das befreit von Druck und lässt euch Raum, damit ihr euch auf das eigentlich für dieses Turnier wichtige Ziel konzentrieren könnt. Beispielsweise könnt ihr euch zum Ziel nehmen, während des ganzen Pacours einen gleichmäßigen Rhythmus zu halten, oder jeden Sprung passend anzureiten. Für ganz unerfahrene Reiter ist es schon ein lohnenswertes Ziel besonders schöne Linien zu reiten. Sprecht mit eurem Trainer des Vertrauens und setzt euch kurz- und mittelfristige Ziele um ein langfristiges Ziel, wie gute Platzierungen, zu erreichen. 

Wie immer möchten wir auch diese Woche mit euch diskutieren. Dazu könnt ihr eure jeweiligen Ziele Kommentieren, oder schreibt eure Gedanken zum Thema Erfolg im Reitsport. Wir freuen uns auf eure Ansichten, denn wie gesagt es gibt zahlreiche Definitionen von Erfolg!

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  • Danke Alex und Momo für eure Videos und Beiträge

    Dieser Kommentar trägt zwar nicht sehr viel zu dieser Diskussion bei aber ich wollte einfach mal geschrieben haben, dass ich es liebe, wie ihr eurer Community zeigt, dass es als Turnierreiter trotzdem dem Pferd gegenüber (und auch allen ander Turnierteilnehmern) fair bleiben kann. Also falls ihr diesen Kommentar lest und Alexander Buchholtz und auch Michelle Mothes bei dem was sie tun unterstützen wollt (genauso wie die Leute die den beiden gelegentlich unter die Arme greifen), dann Zeigt es ihnen doch z.B. mal mit einem netten Kommentar oder einen Daumen nach oben (YouTube, Instagram...). Oder schaut euch doch einfach mal die Werbungen in den YouTube Videos ganz an, denn dadurch, dass die Werbung ganz angeschaut wird verdienen YouTuber etwas Geld. Denn es gibt doch ein paar youtuber (wie Alex und Momo) die sehr viel Arbeit und vor allem Zeit in ihre Videos investieren, denn es ist ja nicht nur das drehen der Videos sonder auch noch viel mehr das dahinter steckt ? Also lasst den beiden doch vielleicht mal ein ?/❤ da, falls ihr die beiden genauso toll findet wie ich. Aber das ist natürlich jedem selber überlassen ob ihr das tun möchten oder nicht, denn es zwingt euch ja keiner die beiden zu mögen oder zu unterstützen.???
    Viele liebe Grüße ❤❤??

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