Hängertraining

Hängertraining- oder Vertrauen des Pferdes gewinnen

Meine lieben Reitersleute, willkommen zurück auf unserem Blog. Wir freuen uns immer sehr jeden hier begrüßen zu dürfen und einige erfrischende Momente mit euch über Wissen und Ideen zu philosophieren. Dazu seid ihr wie immer herzlich eingeladen diesen Beitrag kritisch mit einem Kommentar zu hinterfragen, oder eigene ergänzende Einfälle bzw. Wissen mitzuteilen. Kein Kommentar und keine Frage ist dumm. Ihr dürft alles ansprechen. Noch kurz vorab, neben der ausführlichen Beschreibung die nun folgt, findet ihr am Ende des Textes noch mal eine Zusammenfassung der 7 Schritte die ich hier beschreibe. 

 

Aber jetzt genug des Vorgeplänkels. Unser heutiges Thema ist eines der mystischeren im Reitsport und lehrt uns doch so viel in der Arbeit mit dem Pferd. Deshalb nennen wir diesen Post nicht einfach Hängertraining, sondern auch wie man Vertrauen des Pferdes gewinnt. Könnt ihr euch noch an den Text „Die richtige Führung“ erinnern? Das Wissen aus diesem Text wird uns für diesen Beitrag die Grundlage bieten. Bitte lest euch den Beitrag „Die richtige Führung“ nochmal durch, falls ihr euch nicht mehr perfekt an dessen Inhalt erinnert.

 

Damit haben wir auch schon den ersten wichtigen Grund, wenn es mit dem Verladen nicht so richtig funktionieren mag. Das lustige ist, genau dieser Grund führt dazu, dass ich aus dem Verladen einen regelrechten Partytrick gemacht habe. Auf Lehrgängen oder Turnieren hat man immer wieder Leute, die Probleme haben ihr Pferd zu verladen. Diese Situationen liebe ich meistens, weil hat man erstmal eine viertel Stunde zugesehen, wie das Pferd die Menschen an der Nase herumführt und die Menschen immer verzweifelter werden, während das Pferd immer entschlossener wird nicht auf den Hänger zu gehen, kann man mit dem richtigen Trick für offene Münder sorgen. Natürlich erntet man, ob der ehrgeizigen Ansage: „Darf ich es mal versuchen“, nur Gelächter. Um so mehr freut man sich aber darauf wieder ein Pferd verladen zu haben. Und zwar ohne Gewalt, Longe oder Besen. Sogar ohne Leckerli als Überzeugungsmittel.

Aber erstmal langsam und vor allem von Anfang an. Wir haben in dem Beitrag „Die richtige Führung“ schon gesagt, dass ein Pferd in gruseligen Situationen jeglicher Art nur auf uns hören wird, wenn es uns vertraut. Vertrauen kann es uns nur, wenn wir es richtig führen. Der Hänger ist eine höchst gruselige Sache für jedes Pferd, dass noch kein Vertrauen zu der Sache gewonnen hat. Er ist eng, dunkel und riecht eventuell komisch. Außerdem wackelt es, vor allem auf der Fahrt und man muss über eine dünne, rutschige Rampe auf den Hänger. Alles sehr verängstigend. Vorteil unsererseits: Sagt der Führer alles ist gut, ist auch ohne Wenn und Aber alles gut. Was heißt dieses Wissen und diese Beobachtung für das Verladen? Nun eigentlich nicht viel. Wir müssen der Führer und zwar der uneingeschränkte Führer des Pferdes werden. Wie werden wir das? Mit den Techniken aus dem Beitrag „Die richtige Führung“.

 

Bezogen auf das Verladen möchte ich aber noch einige Ergänzungen anfügen, da wir ja voraussichtlich keine Koppel auf dem Turnier zur Verfügung haben. Wir halten das Pferd am Halfter mit Strick. Ein Gebiss ist mit dieser Methode nicht nötig. Wer Zuhause in Ruhe übt, der hat bereits ein ruhiges Pferd. Wer schon einige Fehlgeschlagene Versuche mit dem Pferd durch hat, der hat ein aufgeregtes Pferd. In diesem Fall muss das Pferd zu erst beruhigt werden. Das geht in der Regel super einfach. Sorgt für eine Unterbrechung. Entweder nehmt ihr das Pferd einem anderen Menschen, der der Situation nicht Herr geworden ist, weg oder ihr gebt es von euch weg zu einem Menschen der noch völlig ruhig ist. Mit ruhiger Ausstrahlung wird das Pferd erstmal vom Hänger wegbewegt. Es darf kurz Grasen, bekommt Möhren oder sonstiges und vor allem Streicheleinheiten. Auch ruhiges und leises Einreden auf das Pferd hat große Wirkung. Aber am allerwichtigsten ist, dass der Mensch der es hält, wer auch immer dieser Mensch ist, völlig gelassen und ruhig ist. Dieser Mensch darf keinen Funken Unruhe ausstrahlen, er muss körperlich entspannt sein und er sollte eine positive Ausstrahlung haben. So wird das Pferd recht schnell runter kommen und dadurch überhaupt kooperativ. Wie gesagt am besten man lässt es gar nicht erst nervös werden, weil man zuhause in Ruhe trainiert. Dafür eignet es sich, wenn man das Pferd vorher für ein paar Stunden auf die Koppel stellt. Aber auch eine schöne gemütliche Longeneinheit kann ein Pferd super entspannen.

 

Habt ihr ein ruhiges, gelassenes Pferd vor euch kommt jetzt das eigentliche Verladen. Behaltet immer unter jedem Umstand im Hinterkopf, dass euer Vierbeiner Vertrauen zum Hänger gewinnen muss. Was heißt das? Am Hänger und im Hänger muss unbedingt Ruhe und Frieden herrschen. Der Hänger muss der Fluchtort werden. Wir wollen, dass das Pferd auf den Hänger will, weil es dort in Sicherheit ist.

Wie schaffen wir das? Wir nehmen unser ruhiges, gelassenes Pferd, das keinerlei Stress oder Angst empfindet und gehen langsam zum offenen Hänger. Je nachdem wie unerfahren es mit dem Hänger ist, halten wir entweder kurz vor der Rampe an und Loben es und Füttern es. Oder lassen es soweit wie es selbst geht auf den Hänger laufen. Sobald es stoppt loben wir das Pferdchen und Füttern es. Wir streicheln es und reden ihm munter zu. Wir selbst empfinden dabei keinerlei Angst, Aufregung oder sonst irgendwelche Unsicherheiten. Steht jemand neben euch der zeitlichen Druck macht, verbannt diese nicht hilfreiche Person, wenn ihr nicht selbst stark genug seid euch davon nicht beeinflussen zu lassen. Jede Unruhe, jedes kleine ungute Gefühl schadet in dieser Situation. Diesen Vorgang kann man zwei, drei Mal wiederholen. Wenn das Pferd stehen bleibt, einfach loben und entspannen.

 

Bis es selbstständig wieder runtergeht. Jetzt kommt der eigentlich interessante Partytrick. Unser Pferd hat nach diesen Wiederholungen gelernt, dass am Hänger gefressen werden kann, dass gekuschelt wird und dass absolute Ruhe und Geborgenheit vorherrschen. Wer aber nur diese Methode anwendet wird in 3 Jahren noch kein Pferd haben was auf den Hänger rennt. Geschweige denn ein Pferd, welches man wie ich (vollkommen fernab jeder Vorbildfunktion) Barfuß ohne Angst verladen kann. Der Trick ist es jetzt in dieser Situation nicht nur Beistehender zu bleiben, sondern Chef zu werden und zusätzlich im Pferdekopf zu verankern, dass der Hänger gut ist und alles andere blöd. Wenn unser Pferd mit den zwei, drei Versuchen ein erstes Vertrauen zum Hänger gefunden hat (je nach Verängstigung kann es auch länger dauern als nur zwei, drei Versuche, lieber einmal zu oft Ruhe am Hänger gezeigt, als einmal zu wenig ist hier die Devise) und dann beim nächsten Versuch statt vorwärts in den Hänger, rückwärts vom Hänger runter geht, schicken wir es Rückwärts weg vom Hänger. Genau wie im Beitrag „Die richtige Führung“ beschrieben. Dieses Rückwärtsschicken fangen wir sofort an, wenn das Pferd anfängt rückwärts zu laufen. Wir lassen es 3- 4 m Rückwärts vom Hänger weggehen und sind dabei sehr energisch. Nach diesen energischen 3- 4m bleiben wir stehen, loben das Pferd (durch das Loben soll es sich sofort wieder entspannen, damit keine falsche Aufregung in den Prozess kommt) und gehen sofort wieder zum Hänger. Setzt es einen Fuß auf den Hänger oder geht es wieder bis zu einem bestimmten Punkt und bleibt dann stehen, loben wir es. Wir bringen Ruhe in das Pferd und uns selbst und lassen die kurze Stresssituation abklingen.

 

Sobald es wieder Rückwärts vom Hänger weg will, schicken wir es noch energischer weg vom Hänger. Bleiben stehen und loben es nur ganz kurz. Dann sofort wieder auf den Hänger. Und sobald es am oder auf dem Hänger ist gibt es wieder überschwängliches Lob und so weiter.

An dieser Stelle gibt es nun unterschiedliche Methoden zum Weitermachen. Muss ein Pferd unbedingt in diesem Moment auf dem Hänger, weil zum Beispiel das Turnier zu Ende ist, versucht man genau dieses Vorgehen weiter und sorgt dafür, dass das Pferd mit jedem Versuch etwas weiter auf den Hänger läuft. Meist macht es das schon relativ automatisch nach den ersten Rückwärtschicksituationen, weil man dann oft schon geklärt hat wer der Führer ist und dass der Hänger der Ruhepol ist. Bleibt das Pferd immer noch an der gleichen Stelle stehen, ist aber ruhig dabei, ist es Zeit für den nächsten Schritt.

 

Nun schicken wir das Pferd sehr energisch vom Hänger weg, sobald es stehen bleibt. Damit zeigen wir, dass es sich unserer Führung widersetzt, wenn es einfach so stehen bleibt und dass wir dieses Verhalten nicht tolerieren. Im nächsten Anlauf schauen wir, ob es freiwillig einen Schritt mehr auf den Hänger macht. Wenn ja sofort kurz innehalten, loben und freudig reagieren, dann versuchen weiter zu kommen. In 80 % meiner Versuche ist das Pferd dann schon auf dem Hänger. Sobald es aber nicht weitergeht schicken wir es wieder rückwärts runter und gehen neu auf den Hänger und versuchen diesmal noch einen Schritt weiter vorzukommen. Dabei ruhig auch mal ein erstes Mal einen leichten Zug am Strick in Richtung Hänger vornehmen, der dem Pferd die Richtung anzeigt. Auf keinen Fall von hinten Drücken oder dauerhaft ziehen. Leichte annehmende und nachgebende Impulse reichen, denn Druck erzeugt Gegendruck und wir wollen keinen Druck, sondern einen Impuls dem das Pferd dann nachgibt. Sobald es einen Schritt in die richtige Richtung macht wieder loben. Mit dieser Methode zeigt ihr dem Pferd, dass der Hänger nichts Schlimmes ist und schafft Vertrauen. Gleichzeitig sorgt ihr aber dafür, dass ihr Chef seid und euer Pferd euch Folge leistet und nicht aus Sturheit nicht auf den Hänger geht. 

 

Für alle die zu Hause in Ruhe trainieren wollen: Bitte hört nach den ersten Übungen auf. Stellt das Pferd wieder auf Koppel und macht am nächsten Tag weiter. Hört also an dem Punkt auf an dem es immer wieder stehen geblieben ist. Wenn ihr schon so weit gekommen seid und an diesem Punkt erstmal Ruhe habt, habt ihr eine erste super Grundlage. Am nächsten Tag versucht ihr dann auf die gleiche Weise wie oben beschrieben in Ruhe eins zwei Schritte weiter auf den Hänger zu kommen. Nur eins zwei Schritte. Sobald das Pferd die gemacht hat und vielleicht zwei, drei Mal an dem Tag bis zu der neuen Stelle gelaufen ist hört ihr wieder auf und macht am nächsten Tag weiter. Solange bis das Pferd ganz auf dem Hänger steht. Bei jedem Schritt den es weiter auf den Hänger geht freut ihr euch! Aber ihr verlangt gleichzeitig, dass das Pferd genau so weit auf den Hänger geht wie am Vortag. Wir wollen ja Fortschritte und keine Rückschritte. Irgendwann könnt ihr das Pferd auf diese Weise aufladen. Dann nach hinten gehen, die Klappe zu machen und dann vorne das Pferd anbinden. Ohne dass ihr Hilfe braucht, weil das Pferd sonst sofort runter rennt. Bevor die Klappe geschlossen wird übt, dass das Pferd solange wie möglich ohne Zwang freiwillig auf dem offenen Hänger stehen bleibt. Dies übt ihr indem ihr es dem Pferd auf dem Hänger so gemütlich wie möglich macht. Wenn das funktioniert, dann die Klappe schließen und kurz zu lassen danach wieder öffnen, das Pferd herunterlassen und wieder auf Koppel führen. Vera Birkenbihl beschreibt in ihrem Buch „Stroh im Kopf“, dass es sinnvoll ist am Anfang möglichst etwas neues langsam zu lernen und kleinschrittig zu arbeiten, weil dann das Lernen exponentiell Ansteigt. Bei anfänglicher Überforderung kann man mit etwas Pech den Lernprozess sogar blockieren. Wir haben auch schon ein Video auf unserem Youtube Kanal zu diesem Thema. Da bringe ich Dobby, der kaum verladen werden konnte, das Verladen bei. 

 

Also noch mal zusammenfassend. 1. Beruhigt das Pferd und euch. Schafft eine angenehme Situation und Umfeld. 2. Zeigt dem Pferd lieber einmal zu viel, dass am Hänger Ruhe ist und alles gut ist. 3. Zeigt dem Pferd, dass vor dem Hänger eine unangenehmere Situation herrscht der es entweichen kann, indem es zum Hänger geht. 4. Wiederholt 3. 5. Geht Schritt für Schritt weiter auf den Hänger mit leichten immer wiederkehrenden Impulsen am Halfter und Rückwärtsrichten, falls das Pferd nicht den Impulsen folgt. 6. Lobt das Pferd mit jedem neuen Schritt als hätte es Aachen gewonnen. 7. Verzweifelt nicht, wenn es etwas dauert, bleibt ruhig und gebt dem Pferd die nötige Ruhe. Diese Variante wird den meisten auch noch neu sein, deshalb müsst auch ihr erstmal mit der neuen Methode lernen. 

 

Nun aber genug des Lernens. Genießt das Leben und eure Pferde und wie immer freuen wir uns auf eure Kommentare!

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  • Pferd setzt sich auf Hängerstange und rennt nach öffnen runter

    Hallo,
    Leider habe ich auch eine Stute die sich nicht gerne verladen lässt. Meistens tanzt sie einem allerdings einfach nur auf der Nase herum es ist nämlich einfach nur Sturheit. Ich habe leider noch ein ganz anderes Problem undzwar ist es neuerdings so wenn man die Hängerklappe hinten öffnet das sie mit aller Kraft versucht mit dem Hintern die Stange zu öffnen. Meinr Stute drückt mit aller Kraft hinten gegen die Stange und versucht sich rauf zu setzen bis ihre Hinterbeine in der Luft sind. Wenn ich sie vorher los gemach habe und wir hinten die Stange auf machen rennt sie wie von einer Terantel gestochen vom Hänger. Es ist echt gefährlich und ich habe mir dabei tatsächlich von einem Finger gebrochen. Ich weiß nicht mehr weiter ☹️
    Vielleicht habt ihr ja einen Tipp für mich.
    Ich lasse ganz liebe Grüße da.
    Jana

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