Die richtige Führung

Mit diesem Text möchten wir euch unser Verständnis der Führung eines Pferdes erklären. Dabei gehen wir auf das Wesen der Pferde ein, denn dieses ist die Grundlage aller weiteren Informationen. Anschließend beschreiben wir ausgehend von diesem kurzen Studium wie wir der Führer werden und bleiben. 

 

Führung und verschiedene Führungsstile begegnen uns überall auf der Welt. In jeder Situation, in der mindestens zwei Individuen zusammen agieren, gibt es Führung. Wie Richard David Precht in seinem Buch „Wer bin ich und wenn ja wie viele“ so schön beschreibt, führt sich je nach philosophischer Betrachtungsweise sogar jeder Mensch selbst. Führung ist also aus unserem Leben nicht hinweg zu denken. Doch was genau heißt Führung eigentlich? Ich glaube nicht, dass es die eine richtige Führung gibt. Theoretisch sicherlich, in einer perfekten Welt leben wir allerdings nicht! Der Mensch hat beim Thema Führung so viele Dinge zu beachten und zu planen, dass er gar nicht an alles denken kann. Jeder der meint eine perfekte Führung auszuüben lügt, auch wenn er noch so sehr daran glaubt. Ich denke und glaube fest daran, dass wir den größten Erfolg haben, wenn wir einen Führungsstil entwickeln, der zu uns selbst passt und keinem anderen vor den Kopf stößt. Was sind also die Eigenschaften die eine Führung, gemessen an diesem Anspruch, wirklich ausmachen? Unter Juristen gibt es liebevoll die Aussage: „es kommt darauf an“. Jeder der eine Antwort braucht hasst diese Aussage, aber wir können viel von ihr lernen. Denn damit wir dem gestellten Anspruch an Führung bestmöglich nachkommen können, sollten wir nicht einen Führungsstil versteift nutzen, sondern den Führungsstil je nach Situation, Ziel und Gegenüber anpassen. Wir wollen über die Führung der Pferde sprechen, deshalb passen wir unseren Führungsstil also den Pferden an. 

 

Sicherlich ist jetzt schon klar, weshalb wir unbedingt das Wesen der Pferde als Grundlage studieren müssen. 

Ich persönlich gehe in jedem Lebensbereich gerne von der Natur aus. Viele Menschen sind anderer Meinung, weil gewisse Dinge bereits zu sehr von der Natur entfremdet seien. Ich aber folge eher der Auffassung die besagt, dass gewisse natürliche, also biologische, Grundlagen in uns und allem Leben fest verankert sind. Eventuell könnte man es Instinkte nennen. 

Untersucht man das Wesen der Pferde auf diese natürliche Weise, gibt es im Wesentlichen zwei Wesenseigenschaften von enormer Bedeutung. Zum einen gibt es ein ausgeprägtes soziales Verhalten, zum anderen haben Pferde den Fluchtreflex. Beides kann vom Fachmann in gewisse Richtungen gelenkt werden, aber niemals abgestellt werden. Deshalb muss auch das Individuum Mensch sich immer diesen natürlichen Verhaltensweisen anpassen und kann dem Pferd niemals etwas gegen diese „Instinkte“ aufzwingen. Das schöne ist, dass im Gegensatz zu früher der Mensch immer einsichtiger und gebildeter wird. Der Beweis dafür, dass immer mehr Menschen sich richtig verhalten wollen und nicht mehr dem Tier etwas aufzwingen wollen, ist der Fakt, dass wir mit unserer Arbeit solches Gehör in der eigentlich so konservativen Reitsportszene finden. 

Doch wie können wir uns das Wissen dieser beiden Haupteigenschaften zu Nutze machen? 

Fangen wir mit dem Sozialverhalten an. Seit wir an den Reitsport gekommen sind, standen unsere Pferde schon immer auf der Koppel im Herdenverband. Sowohl in Michelles Anfängen als auch in den meinen. Von so einer Herde kann man extrem viel lernen, man muss nur genau hinsehen. Jeder der eine Herde hält, weiß, dass es unterwürfige und dominante Tiere gibt. In jeder Herde gibt es dadurch einen Anführer und mehrere Mitläufer, wobei diese auch noch verschiedene Rangstufen innehaben. Diese Beobachtung ist schon eine wichtige Grundlage, denn sie zeigt uns, dass Pferde es durchaus akzeptieren sich zu unterwerfen und dies sogar von der Natur so gewollt ist. Das heißt egal wie wir mit den Pferden umgehen, das Pferd wird mit uns eine Rangfolge klären. Ob wir es wollen oder nicht. Das sozialisierte Pferd kennt es nur so und auch das asoziale Pferd hat in seinen Tiefen genau diesen Verhaltensgrundsatz verankert. 

Betrachten wir das Sozialverhalten mit diesem Wissen weiter, zeigen sich die verschiedenen Aufgaben der Rangstufen. Das ranghöchste Tier trifft Entscheidungen und alle anderen folgen diesen Entscheidungen. Bei dem Entscheider liegt also eine enorme Last, denn die Herde vertraut auf seine Entscheidungen. Der Führer muss demnach unter allen Umständen die beste Entscheidung treffen, sonst missbraucht er das Vertrauen seiner Herde und läuft Gefahr seinen Rang zu verlieren. Eine wichtige weitere Beobachtung, ist die Vorgehensweise in Rangkämpfen. Soziale Pferde die eine Rangfolge miteinander ausmachen drohen zu allererst. Sie senden mit ihrer Körpersprache Signale an den Kontrahenten. Cesar Milan nennt diese Körpersprache gerne Energie. Dabei handelt es sich nicht um Hokuspokus, sondern um das perfektionierte Lesen der Körpersprache des anderen. Wir Menschen müssen das Lesen der Körpersprache erst lernen, denn unsere Gesellschaft kommuniziert auf anderen Wegen. Aber für Tiere ist die Körpersprache als Bestandteil der Sprache von enormer Bedeutung. Deshalb lesen sie sie auch so perfekt. 

Reicht eine leichte Drohung noch nicht aus, gibt es eine intensivere Bedrohung gegeneinander. Erst wenn auch diese zweite Stufe nicht entscheidend verlief kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Diese führen meist sehr schnell zu einem Ergebnis, aber wenn keines der Tiere nachgibt enden sie mitunter sehr schädlich. Pferde machen untereinander sehr schnell sehr deutlich, wenn das rangniedrigere Tier einen Fehler begeht. Dabei sind sie nicht zimperlich. Es fällt aber auch auf, dass in einem Moment massiv gedroht wurde oder sogar eine körperliche Zurechtweisung geschah. Im nächsten Moment stehen beide aber wieder Nase an Nase am Heuhaufen und fressen genüsslich. Das heißt sie sind nicht nachtragend. Außerdem suchen und brauchen Pferde körperliche und seelische Nähe zueinander. Dies stärkt nach Ansicht der Biologen das soziale Verhalten und den Zusammenhalt in einer Herde. Ein solcher Zusammenhalt begründet ein Verantwortungsgefühl innerhalb einer sozialen Gruppe und ist in der Natur überlebenswichtig. 

Wer diese sozialen Verhaltensweisen erkennt, hat bereits eine wichtige Grundlage zur Führung der Pferde gewonnen. 

 

Die zweite wesentliche Eigenschaft der Pferde ist der Fluchtreflex. Die meisten Pflanzenfresser sind Fluchttiere und alle versuchen nur einen Angriff, wenn es keinen Ausweg gibt. Und dieser Angriff ist auch nur dazu gedacht unmittelbar danach zu flüchten. Aufgrund dieses Reflexes wird ein Pferd also Unbekanntem im Zweifel weichen. Auch diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung für unsere Führung.

 

Wie könnte also ausgehend von diesem Studium die Führung des Pferdes aussehen? Das kommt darauf an! Wir persönlich versuchen an dieser Stelle noch weiter zu untergliedern. Wir machen uns nämlich das Wissen der Dominanz zu eigen. Wir prüfen welchen Dominanztyp wir im Einzelfall vor uns haben. Um dies herauszufinden beobachten wir das Pferd in der Herde, denn von außen können wir ein objektiveres Urteil fällen. Prüfen wir das Verhalten vom Pferd gegenüber uns, stünden zu viele persönliche Eigenschaften im Weg. So erreichte man kein wirklich objektives Ergebnis. 

Unseren jeweiligen Führungsstil passen wir dann dem Dominanztyp des Pferdes an. Ein dominantes Pferd wird unsere Führungskompetenz viel schneller in Frage stellen, als ein unterwürfiges Tier. Das heißt im Erstkontakt muss das dominante Pferd sofort spüren, dass es mit uns seinen Meister gefunden hat und es keine Chance gibt, auch nicht eine kleine, zur Übernahme der Führung. Auch im weiteren Arbeiten ist es sehr wichtig immer die Oberhand zu behalten, denn jede Schwäche wird wohl ausgenutzt. Immerhin sieht sich das Tier selbst als Anführer und beansprucht für sich die Herde (was letztlich nichts anderes heißt als es beansprucht für sich das Recht zur Fortpflanzung. Auch wenn Wallache nicht mehr können, haben sie dieses Verhalten noch in sich). Ein unterwürfiges Tier würden wir mit einer zu konsequenten Führung aber allenfalls zu sehr einschüchtern. Und egal ob zu sehr eingeschüchtert oder den Chefposten verloren in beiden Fällen wird das Tier sein Vertrauen zu mir als Führer nicht aufbauen oder verlieren. Dieses Vertrauen ist aber wichtig, denn wenn der vertrauenswürdige Chef sagt es ist alles gut, dann ist alles gut. In unsicheren Momenten auf das ranghöhere Tier zu vertrauen ist ja eine der Erkenntnisse aus der Natur. Haben wir ein solches Vertrauen nicht wird uns das unterwürfige Tier nicht trauen und flüchten, weil der Fluchtinstinkt größer sein wird. Im Fall des dominanten Tieres folgt ebenfalls ein Fluchtverhalten, da es uns nicht vertraut und auf seine natürlichen Instinkte vertrauen wird, weil es meint die Situation selbst entschärfen zu müssen. 

Führung bedeutet also Vertrauen schaffen. Im einen Fall vermehrt durch Stärkung und im anderen Fall vor allem durch Unterwerfung. 

 

Halten wir also schon mal einen wichtigen Teil von Führung fest: Wir müssen bei unterwürfigen Pferden zwar einen dominanten, aber liebevollen und stärkenden Stil innehaben. Bei einem dominanten Pferd bedarf es eines festen Führungsstils um unter allen Umständen das dominante Tier zu bleiben. Aber auch in diesem Fall müssen wir durch einfühlsame, korrekte Entscheidungen das Pferd bestärken und stützen. Sinnlose Gewaltakte machen uns als Chef in jedem Fall angreifbar und beweisen dem dominanten Pferd, dass wir keine geborene Führungskraft sind. Das unterwürfige Tier wird sich in einem solchen Fall auch nicht von uns führen lassen. 

 

Aber wie zeigen wir im nächsten Schritt dem Pferd unsere Dominanz? Die Antwort darauf findet sich natürlich auch in unserem eröffnenden Naturstudium. Wir zeigen schon beim Erstkontakt mit dem Pferd eine starke Energie, wir nehmen also eine aufrechte, möglichst große Körperhaltung ein und lassen das Pferd nicht direkt an uns heran. Unser Körper ist leicht angespannt und unser Blick erhaben. Diese Körpersprache liest das Pferd bereits und es wird sofort wissen: oh mit dem ist nicht zu spaßen! Im nächsten Schritt darf das Pferd sogar mal an uns heran, aber nur kurz dann drehen wir uns um und gehen rückwärts auf das Pferd zu und es muss uns weichen. Dieses Verhalten ist eine erste effektive Drohung! Damit signalisieren wir stärke und Dominanz. Woher wir dieses Verhalten kennen? Aus dem Studium unserer Herdenpferde. Ihr könnt das Verhalten selbst in der Herde beobachten, vor allem wenn neue Pferde in die Herde kommen und der Herdenchef seinen Stand verteidigen will und das wollen sie alle. Ein unterwürfiges Tier wird schon aufgrund unseres Rückwärts gehen weichen und uns unseren Raum lassen. Ist dies geschehen ist der Rang schon klar, herzlichen Glückwunsch du bist gerade Führer geworden. Nach diesem Moment kannst du entspannter bleiben und die Verbindung zu dem Pferd Stück für Stück stärken. Dazu aber später mehr. 

Weicht dein Pferd noch nicht, sondern bleibt mit Blick zu dir stehen, musst du schon mal leicht körperlich werden. Das heißt du machst die letzten Schritte schneller auf der Pferd zu und kickst den Ellenbogen in die Brust des Pferdes oder an die Seite. Achte darauf, dass du in jedem Fall möglichst weit weg von der Hinterhand bist, denn wir wollen in der Position sein das Pferd zum weichen zu zwingen, wir wollen ihm keine Möglichkeit bieten seinen Standpunkt zu verteidigen und uns gar zu verletzen. Solange es nicht nach uns ausschlagen kann muss es erstmal weichen. Meiner Erfahrung nach weichen auch die allermeisten Pferde, denn die wenigsten erwarten dieses fachmännische Verhalten von einem Menschen und sind erschrocken. Bei Pferden die diesen kleinen Stoß gebraucht haben, empfiehlt es sich aber noch ca. zweimal das Pferd weichen zu lassen. Weicht das Pferd nun nur weil man rückwärts drauf zu läuft, reicht es und man hat seinen Stand verteidigt. Weicht es dann noch nicht muss man noch mal aggressiv rückwärts auf das Pferd zu stampfen und mit dem Ellenbogen einen unsanften Stoß geben. Weicht es lobt man es am Hals. Niemals darf man es mit dieser Übung übertreiben und schon gar nicht darf man Hilfsmittel wie Gerten oder Stöcke einsetzen. Mit dem Ellenbogen kann man nicht so zustoßen, dass man dem Pferd zu stark weh tut. Vorher bricht man sich den Arm. Es geht auch nicht um Schmerzen es geht nur um die große Geste. Auch unter den Pferden geht es bei körperlichen Kontakten um große Gesten. Es verletzen sich nur unsoziale Tiere gegenseitig! Das gilt ohne Ausnahme. Verletzt sich bei einem Rangkampf ein Tier ernsthaft war das andere Tier unsozial und hat keine gute Kinderstube gehabt oder bereits selbst grausames erlebt. Kratzer oder oberflächliche Risse gelten übrigens nichts als schwere Verletzungen, die passieren sind aber auch nicht schlimm. 

 

Hast du dein Pferd schon eine Weile kannst du dieses Verhalten trotzdem auf der Koppel zeigen. Wir führen diese Dominanzgebärden auch immer wieder mal auf der Koppel durch. Es eignet sich auch ein Roundpen, das Pferd muss aber weichen können. In einem Stall kann das Pferd nicht weichen und wird deshalb vor allem psychische Gewalt erfahren, da es sich in die Ecke gedrängt fühlen wird und dem Stress nicht weichen kann. Das schwächt die Verbindung, auf der Koppel oder mit ausreichend Platz stärkt dieses Verhalten aber die Verbindung. 

 

Wir halten also fest: Egal ob neues oder bekanntes Pferd wir können unseren Standpunkt auf der Koppel optimal festigen, indem wir mit dem Rückwärts gehen eine große Geste darstellen. Dies sichert uns bei dominanten und bei unterwürfigen Pferden den gebührenden Respekt. 

 

Im weiteren alltäglichen Umgang bedeutet Führung für uns dann wieder starke Rücksicht auf das jeweilige Tier. Ein unterwürfiges Pferd wird eigentlich niemals sehr selbstsicher sein und schnell flüchten wollen oder komische Situationen meiden wollen. Es wird also bei einem Sprung verweigern, von der Bande wegspringen, nicht die gewünschte Route verfolgen oder, oder, oder. Ein dominantes Pferd hingegen wird vor allem versuchen seinen Willen durchzusetzen. Es gilt je dominanter das Pferd, desto öfter wird es versuchen seinen Willen zu bekommen. Was heißt das für uns? Wir müssen immer unter allen Umständen erstens wissen welcher Typ unser Pferd ist und typunabhängig immer herausfiltern, ob das unerwünschte Verhalten aus Trotz oder Angst entstand. Schmerz ist natürlich auch zu berücksichtigen, denn Schmerz führt zu Angst oder Trotz. 

Fatal wäre es ein ängstliches Pferd bei einer Verweigerung zu schlagen, viele Bereiter greifen leider noch zu schnell auf dieses Mittel zurück, aber bei weitem nicht alle und man kann eine sehr positive Entwicklung erkennen, weil immer mehr Private und Pferdebesitzer vom Bereiter ein korrektes Verhalten verlangen und nicht blind auf diesen vertrauen. Dieser Kontrolle durch die Pferdebesitzer muss sich jeder Bereiter anpassen, denn sonst bekommt er keine Kunden. 

Verweigert ein Pferd ein verlangtes Verhalten aus Angst, müssen wir ihm also als umsichtige Führungsperson Vertrauen zu der Aufgabe schenken. Das erreichen wir in dem wir vor allem ruhig und gefasst bleiben. Die Verweigerung ist kein Drama, sowas passiert. Wir müssen unbedingt cool bleiben, sonst merkt das Pferd es ist etwas komisch und wird noch mehr Vertrauen verlieren. Also zeigen wir dem Pferd den Sprung und lassen am Sprung Ruhe und Zufriedenheit herrschen, dann bauen wir im Training die Aufgabe leichter und versuchen es nochmal. Auf dem Turnier oder mit einem erfahrenen Pferd versucht man die Aufgabe gleich nochmal mit Ruhe. Pferde merken auch schnell, wenn wir nicht Herr der Situation sind. Merken wir auf einem unsicheren Pferd Unsicherheit bei uns selbst sollte man sein Tun unbedingt beenden und auf einer Ebene weiter machen, die wir selbst komplett beherrschen. Nur so werden wir dem Pferd Vertrauen schenken. Verliert das Pferd das Vertrauen beim Springen, macht es zum Beispiel Sinn erstmal kleinere zahlreiche Sprünge zu absolvieren. So gewinnt das Pferd sein Vertrauen zurück. 

Genauso fatal wäre es aber eine Verweigerung aus Trotz nicht zu tadeln. Dieses Tadeln muss eine Unterwerfung sein! Eine Unterwerfung kann auf viele Arten geschehen, sie muss nicht körperlich sein, sie kann auch durch unsere Energie, also Körpersprache, sehr deutlich zum Ausdruck gebracht werden. Auf dem Pferd sitzend eignet sich aber doch vor allem ein deutliches Zeichen mit der Gerte. Hier haben wir die Möglichkeit unseren Standpunkt schnell, gezielt und vor allem sinnvoll klarzustellen. Dabei geht es nicht um den Schmerz es geht vielmehr um den Ordnungsgong. Korrekt angewendet reicht deshalb ein kurzer Hieb gefolgt von aggressiver Körperspannung. Dieses in Kombination wird das Pferd besser zur Konzentration und Kooperation bewegen als hundert starke Peitschenhiebe ohne entsprechende Ausstrahlung. Wir müssen also in dem Moment innerlich richtig böse auf das Pferd werden, wir können sogar böse mit dem Pferd reden, aber wir sollten unbedingt erstens nur einen gezielten Hieb mit der Peitsche wählen und zweitens nur in dem Moment böse sein. Im nächsten Moment sind wir wieder konzentriert bei der Sache und sagen unserem Pferd alles ist gut wir machen das gemeinsam, denn Pferde sind nicht nachtragend und würden weiteres ungebührendes Verhalten unsererseits nicht verstehen. Dieses Missverständnis würde unweigerlich zu Vertrauensverlusten führen. 

 

 

Feststellung: Wir müssen also immer und in jeder Situation sofort prüfen woran das Problem lag (Angst, Trotz, Schmerz) und dementsprechend handeln. Wichtig ist auch dominante Pferde haben mal Angst und auch unterwürfige Pferde können Trotz zeigen. Im einen Fall führen wir indem wir Halt schenken durch innere Ruhe und streicheln der Pferde oder auch durch gutes Zureden. Im anderen Fall greifen wir punktuell durch, werden punktuell böse, gewinnen aber sofort unsere Fassung wieder und unsere Ruhe und strahlen dadurch Stärke aus. 

 

Am Anfang kam noch der Gedanke auf, die angeborenen Verhaltensweisen der Pferde fachmännisch zu lenken. Deshalb an dieser Stelle noch ein paar Worte dazu. Pferde flüchten vor allem vor unsicheren Situationen und Unbekanntem. Wollen wir den Fluchtreflex in den Griff bekommen, ist es der völlig falsche Weg das Pferd mit Angst vor uns zur Aufgabe zu zwingen. Solch ein Vorgehen lässt das Pferd den Fluchtreflex vor der Aufgabe nicht verlieren, es hat nur zu viel Angst vor uns, dass es lieber die Aufgabe in Kauf nimmt, weil es vor unseren Handlungen flüchten will. Das ist nicht wirklich die feine Art, das ist aber die schnelle Art! Bitte vertraut nicht auf die schnelle Art. Langfristig habt ihr mehr Spaß und Erfolg, wenn ihr wirklich an der Aufgabe arbeitet. Das heißt wir müssen den Fluchtreflex wegbekommen. Diesen können wir niemals aus dem Pferd vertreiben, dazu ist er zu fest verankert. Wir können aber dem Pferd Vertrauen schenken und beibringen, denn es flüchtet ja vor Situationen die es nicht einschätzen kann oder vor denen es Angst hat. Ganz getreu dem Motto: Im Zweifel lieber flüchten. Oder erst rennen dann fragen. 

Dieses Vertrauen erreichen wir grundlegend schon Mal mit der Anwendung des bereits gesagten, denn so zeigen wir, dass auf unsere Einschätzung Verlass ist und wenn wir als Mensch sagen wir machen das, dann wird das auch gemacht und es ist ungefährlich. Andererseits müssen wir natürlich dem Pferd die Aufgabe immer wieder zeigen und beibringen. Steigt ein Pferd nicht auf den Hänger, müssen wir dieses mit ihm in ruhigen Momenten genauso üben, wie wir das Pacourspringen trainieren müssen. Irgendwann hatte es so viele Wiederholungen, dass es der Aufgabe vertraut und im besten Fall sogar Spaß entwickeln kann. 

Aber wir betrachten gerade mehr die reiterliche Kompetenz, zu der Arbeit mit dem Pferd kommen wir in späteren Blogposts. 

 

Abschließend können wir nochmal Bezug auf die Hilfengebung nehmen. Auch wenn wir unsere Dominanz und unsere Führung ausdrücken wollen, müssen wir darauf achten einmal deutlich zu werden und die Sache schnell zu klären und das Pferd danach zu loben. Denn permanente schwache Gesten stumpfen das Pferd ab. Es wird lernen, dass eure Gebärden keinerlei Sinn haben und sie der Chef bleiben. 

 

Was sind eure Beobachtungen im Sozialverhalten der Pferde könnt ihr unsere Beobachtungen bestätigen oder ergänzen? Eure Meinung ist uns sehr wichtig, wir freuen uns darauf!!! 

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  • Tolle Seite ?

    Sehr gut geschrieben ❤️??

  • Toller Blogbeitrag

    Ich finde den Beitrag sehr gut. Eine gewisse Erziehung und Führung finde ich sehr wichtig, immer unter Beachtung der Natur und des natürlichen Verhaltens der Pferde.

  • Führung der Pferde+Fluchtreflex und vieles mehr

    Sehr ausfühtlich und anschaulich geschrieben. Einfach nur toll. Hat mir sehr geholfen und viele Tipps gegeben die ich mitnehmen kann beim Reiten.

  • Gewinnspiel

    Ich finde das Thema sehr spannend und es ist sehr gut geschrieben. Ich würde mich freuen dich nächste Woche in Leipzig zu sehen. Du kannst so toll reiten. Viel Glück ?

  • Toller Bericht

    Finde den Bericht super.
    Da ich meist selber etwas zurückhaltend bin, was das Thema Führung angeht bin, hilf mir der Artikel schon echt weiter.

  • Spannender Beitrag

    Super toller Beitrag, der mich insbesondere durch den Brückenschlag zwischen dem Umgang zwischen Mensch und Mensch und Mensch und Tier und deren Parallelen inspiriert hat. Tiere und vor allem Pferde bringen uns den richtigen sozialen Umgang mit unseren Mitmenschen und Tieren instinktiv bei - wir müssen nur zuhören.

  • Richtig toll geschriebener Beitrag

    Hallo ihr lieben,
    erst einmal ein Kompliment für diesen super schön und aufschlussreich geschriebenen Text ?? Ich kann die Beobachtung voll bestätigen, da unsere Pferde auch vom Absetzen als Fohlen bis hin zum Sportpferd in Herden stehen. In den meisten Fällen sind die Pferde, die als Fohlen in ihrer Gruppe dominant und Herdenchef waren es auch später in einer größeren Gruppe.
    Ich habe auch schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass Pferde mit denen wir im Fohlenalter schon "die Fronten geklärt" haben, im späteren anreite Prozess unkomplizierter sind. Wir haben schon eine größere Verbindung zueinander hergestellt und das Pferd akzeptiert mich als Führer.

  • Super Artikel

    Meine Stute ist in der Herde sehr dominant und unterwirft sich nur äußerst selten. Sie ist eine richtige Alpha-Stute. Als wär Stute allein noch nicht schlimm genug ;)
    So ist es auch unter dem Sattel und im Umgang mit dem Menschen. Wirklich etwas schlimmes tun würde sie nie, aber sie testet für ihr Leben gerne! Somit muss man nicht nur einmal klarmachen, wer der Chef ist, sondern immer und immer wieder. Sie schenkt keinem was.

    Euren Beitrag find ich mega gut geschrieben und sehr interessant. :)

  • Sehr gut beschrieben

    Ich finde den Beitrag sehr gut und kann mich nur anschließen. Unsere Pferde dürfen nicht abstumpfen. Hilfegebung muss schnell u prägnant sein.

  • Der Artikel hat mich zum Denken angeregt..

    Erstaunlich wie gut ihr das Prinzip der Führung zum Ausdruck gebracht habt. Diese Worte haben mich zum Denken angeregt und ich muss sagen, in manchen Situationen habe ich falsch gehandelt und versucht dem Pferd etwas aufzuzwingen.. wenn mir demnächst beim reiten solche Situationen vorkommen, werde ich definitiv an euren Artikel denken!
    Den beschriebenen Beobachtungen im Herdenverband kann ich nur zustimmen, auch wenn ich noch nie so intensiv darüber nachgedacht habe. Vielen Dank für diesen tollen Artikel und die Mühe!

  • Toll geschrieben

    Sehr ausführlich geschrieben und alles drin, großes Lob.

  • Spitzenmäßig

    Ich finde es so gut wie man so viel gelernt bekommt in nur 15 Minuten. Ihr macht das einfach spitzenmäßig hier bei den Beiträgen und auch an sich im reiterlichen Bereich.
    Ihr seit meine ganz großen Vorbilder ?

  • Ganz ganz toller Beitrag

    Ich finde der Text ist richtig schön und verständlich geschrieben. Viele Hilfen und Sachen über die man noch nichts wusste, bzw sich noch keinen Kopf gemacht. Und die Erziehung beim Pferd, wo das Führen mit zuzählt, ist auch sehr wichtig im alltäglichen Umgang. Aufjedenfall richtig schön zu lesen.

  • DIE richtige Führung?!

    Hallo, vielen Dank für den guten Beitrag :)
    Wir haben bei uns auch jemanden im. Offenstall, die ein sehr dominates Pferd hat und leider nicht deutlich und klar kommuniziert. Deshalb ist das Pferd sehr "schwierig" im Umgang :/

    Viele Grüße
    Janina

  • Toller Beitrag !

    Ein wirklich toller Beitrag der zum nach und Umdenken anregt.
    Danke für diesen Beitrag ?

  • Sehr guter Text !!!

    Wow , also erstmal wollte ich einen großen Lob aussprechen für diesen umfangreichen Text. Ich persönlich finde diesen Text einfach unglaublich, da immer wieder auf das Vertrauen zwischen Mensch und Pferd zurück gegriffen wird , ebenso aber auch der Respekt, den das Pferd für den Reiter haben muss. Ich habe selber seit 4 Monaten ein Pferd . Er ist noch Recht jung , aber eigentlich sehr brav . Vor ca. 6 Wochen fing es dann an , dass er beim Putzen die Ohren anlegte und an gewissen Stellen anfing zu beißen und Treten. Es würde von Tag zu Tag schlimmer , so dass ich am Ende der Woche nichtmal in seine Box kam ,ohne dass er sich drehte und ein aggressives Verhalten zeigte. Ich war ziemlich verzweifelt und habe mir selber Vorwürfe gemacht und mir eingebildet, die ganze Verbindung zwischen uns ist zerstört und ...
    Zum Glück habe ich noch einen guten Trainer im Stall , der mir Mal den Kopf frei gemacht hat. Er hat mein Pferd dann problemlos aus der Box geholt und geputzt . Als er wieder gedroht hat , hat er ihn einen ordentlichen Klaps gegeben und er hat es nie wieder gemacht bei ihm . Ich hatte wieder Hoffnung , doch als ich an ihn rangegangen bin , hatte sich nichts verändert. Ich hatte schon solche Angst und war so wütend auf ihm , und genau dass ist der Punkt , den ihr so schön erklärt. Ich habe mir eingebildet , er ist aggressiv und mag mich nicht und so weiter.... Mein Pferd ist dieses Jahr 7 geworden , also eigentlich noch 6, aber es geht ja immer nach Jahren . Nach langer Recherche und Gesprächen habe ich mitbekommen , dass es genau diese Zeit ist , zwischen 6-7 Jahre, wo die Pferde nochmal schön in die Pubertät kommen und dann natürlich auch ihre Dominaz und ihre Stelle in der Hierarchie testen wollen . Ich kann sagen , mein Pferd ist ziemlich dominant , was sich im Verhalten auf der Koppel zeigt und auch im generellen Wesen , was nicht schlecht ist , denn das hat auch seine positiven Seiten, wie oben beschrieben, dennoch fasse ich es in solchen Situationen als sehr schlimm auf. Nach diesen ganzen Spielchen mit mir hatte ich Angst und das wusste er . Also habe ich mir meinen Mut zusammen genommen und ihn bei seinen Versuchen seine Dominanz zu demonstrieren auch Mal eine gegeben . Und es geht hier nicht darum , dass Pferd zu verdreschen oder sonst was , sondern nur ein klares Zeichen , '" so nicht mein Freund". Und das hat ihm dann auch gut getan und ich dachte es wäre vorbei. Doch nichts da , am nächsten Tag das Selbe. Und dann würde es mir auch klar :
    Er hatte sich , mich ausgesucht. Natürlich , ich bin seine Besitzerin und werde den Rest des Lebens mit ihm verbringen . Ich bin sein Leittier und auch seine Vertrauensperson . Mit mir soll er durch dick und dünn gehen und nochmal , ich bin die Person bei der er bleiben wird und die er jeden Tag aufs neue sieht. Und das mag sich evtl. Dramatisch und böse anhören , aber wir kannten uns zu dem Zeitpunkt noch nicht. Pferde brauchen eine Eingewöhnungsphase , was ich mittlerweile begriffen habe. Wenn sie diese hinter sich haben und einigermaßen ein Gefühl und ein Überblick geschafft haben , wo bin ich jetzt und vorallem Dingen wo stehe ich jetzt , fangen sie an zu testen . Und der mir der Arsch Karte, blöd gesagt, ist der Besitzer .
    Als ich soweit war , war mir klar:
    Er muss Respekt haben , aber muss auch wissen , dass er mir vertrauen kann. Ich fing an mit viel Bodenarbeit. Wie oben beschrieben, weichen und zurück kommen lassen. Viel Abwechslungs ins Training mit einbringen , viele neue Situationen entdecken lassen , wo ich ihm dann die Sicherheit gebe. Und das wichtigste viel Loben , Loben und Loben !!!
    Und es wurde immer besser . Und jetzt ist es lange noch nicht perfekt , aber ich kann sagen , mein Pferd kann mir vertrauen und er tut es auch . Dennoch weiß er , wenn der Chef ist.
    Super Beitrag , der wirklich Mal was mit , der Führung eines Pferdes zu tun hat.

  • Guter Beitrag

    Einfach ein sehr guter Beitrag, sehr gut geschrieben und auch nachvollziehbar. Ich kann mich deiner Meinung eigentlich nur anschließen!

  • Toller Beitrag

    Toller Beitrag !
    Ein wirklich toller Beitrag der zum nach und Umdenken anregt.

  • Unverblümte Wahrheiten

    Echt klasse geschrieben und Wahnsinn wie viel liebe und Arbeit du investierst!
    Für mich ist es Die unverblümte Wahrheit, denn viele denken das was wir täglich machen wäre einfach

  • Was für ein toller und informativer Beitrag!

    Wie wahr das ist! Super geschrieben, ich denken da kann jede/r Reiter/in etwas für sich mitnehmen!

  • Sehr Lehrreich

    Sehr ausführlich geschrieben. Viele Tipps?auch verständlich geschrieben das man es umsetzen kann☺️ich würde mich freuen dich bei der Partner & Pferd zu treffen❤

  • ?

    ein toller beitrag, der zeigt, dass der richtige umgang mit dem partner pferd schon beim führen beginnt. ??

  • super Beitrag

    Sehr gut geschriebener ausführlicher Beitrag!! Während ich den Text gelesen habe musste ich viel an unsere Herde denken und habe im Text beschriebene Situationen teilweise sofort wieder erkannt. Sehr gut finde ich auch wie ihr die Unterschiede im
    Umgang mit dem dominanten und dem unterwürfigem Pferd vor allem in Bezug auf Angst bzw. Trotz beschreibt. Ich denke der Beitrag kann vielen Reitern im täglichen Umgang mit ihren Pferden helfen, wird gern geteilt.

  • Sehr toll!

    Schöner Beitrag. Tipps, die man sich annhemmen kann. Teilweise Saxhen über die man gar nicht nachdenkt. Einfach spitze Beitrag.

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